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Fact-Sheet CO2

UMFRAGE CO2

Wie schätzen Sie die Schweizer Verkehrspolitik für die Reduzierung der CO2-Emissionen ein?

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22 Facts zu CO2

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1. Worin besteht überhaupt das Problem?
Laut Bericht des Weltklimarats (IPCC) wird die Durchschnittstemperatur auf der Erde bis 2100 um 1,8 bis 4,0 Grad Celsius steigen. Wissenschafter sagen, dieser Klimawandel vollziehe sich so schnell, dass sich Mensch, Flora und Fauna nicht mehr anpassen können. Er kann eine Verschiebung der Klimazonen, ein Abschmelzen der Gletscher und des Eises in der Arktis, eine daraus resultierende Erhöhung des Meeresspiegels zwischen 18 und 59 cm und eine Erwärmung der Meere zur Folge haben.

2. Wodurch wird die Erd-Erwärmung ausgelöst?
Durch Treibhausgase wie z. B. Kohlendioxid (CO2). Grundsätzlich sind sie nichts Schlechtes – ohne natürlich entstehende Treibhausgase würde es auf der Erde wahrscheinlich kein Leben geben: Es hätte minus 18 Grad. Doch an der Zunahme bestimmter Treibhausgase und damit am Treibhauseffekt ist grossteils der Mensch schuld, sagt der Weltklimarat-Bericht.

3. Wie ernst ist der IPCC-Bericht zu nehmen?
Panikmache ist er jedenfalls keine. In der ersten Studie von 1990 wurde ein Temperaturanstieg von 0,3 Grad bis 2005 prognostiziert. Tatsächlich wurde die Erdatmosphäre um 0,2 Grad wärmer. Der Bericht von 1995 bildete die Grundlage für das Kyoto-Protokoll von 1997.

4. Gibt es auch Gegenstimmen?
Ja. Es gibt Forscher, die die derzeitige Erwärmung (in den letzten 100 Jahren um 0,74 Grad) als natürliche Veränderung werten. Ihre Argumente dafür: In der Antike war Grönland eisfrei und grün, in Südengland wurde Wein angebaut.

5. Wie gross ist die Verantwortung des Menschen für Treibhausgase?
Gewaltig. 21.0% der weltweiten CO2-Emissionen produzierten 2007 China. Die USA liegen mit 19,9% auf Platz zwei.
Vergleicht man die Emissionen pro Einwohner, ist Australien für 26,9 Tonnen CO2 pro Person und Jahr verantwortlich, dahinter liegen die USA (25,55 t), Kanada (24,1 t) und Russland (16,2 t). Der EU-Schnitt: 8 t. Erreichen China (6,1 t) und Indien (2,1 t) erst einmal US-Niveau, kann es ohne Verhaltensänderungen zu einer weit grösseren Erderwärmung kommen. In der Schweiz waren es 9 Tonnen pro Person.

6. Welchen Anteil hat der Verkehr?
In der Schweiz ist der Verkehr (Strasse, Wasser, Luft) an 30% der CO2-Emissionen verantwortlich. Der Personenverkehr allein macht 60% aller verkehrsbedingten CO2-Emissionen aus. Hintergrund: Die Anforderungen an die individuelle Mobilität sind höher geworden (Siedlungspolitik nach Aussen, „Mobile Workers“ etc.). Ausserdem gibt es um ein Drittel mehr private Pkw als 1990.

7. Was ist mit dem Flug- und Schiffsverkehr?
Der Flugverkehr wird sicher noch ins Gerede kommen: Er ist mit einem Zuwachs von 8,5% pro Jahr einer der am stärksten wachsenden Bereiche, die CO2 verursachen, wird jedoch – so wie der Schiffsverkehr, der ebenfalls grosse Mengen an CO2 produziert – nicht ins Kyoto-Protokoll einberechnet.
Flugbenzin (Kerosin) ist von der Steuer befreit, und die klimaschädigende Wirkung der Abgase ist in 10.000 Meter Höhe dreimal so stark.

8. Welche Alternativen gibt es, umweltschonend Energie zu gewinnen?
Erneuerbare Energien gelten als Zukunftsbranche. Den jeweiligen klimatischen Bedingungen entsprechend könnte man noch mehr Wasser-, Wind- und Solarkraftwerke errichten – aber die Gegenwart gehört in vielen Ländern der Atomkraft, die durch die CO2-Diskussion Auftrieb erhält, weil sie wenig CO2 emittiert.

9. Wie hängen Spritverbrauch und CO2-Ausstoss zusammen?
Direkt. Ein Kilogramm Treibstoff (1,18 l Diesel bzw. 1,3 l Benzin) erzeugt etwa 3,15 kg CO2. Um die CO2-Emissionen (g/km) zu errechnen, multipliziert man den EU-Mix-Verbrauch (l/100 km) mit Faktor 24 (Benziner) bzw. 27 (Diesel).

10. Wie lautet die Kritik an der Autoindustrie?
Europas Hersteller haben sich verpflichtet, den CO2-Ausstoss im Flottendurchschnitt bis 2008 auf 140 g/km zu senken. Dieses Ziel haben sie bei Weitem verfehlt. Derzeit liegt der Schnitt bei Autos aus der EU bei 161 g.

11. Was schreibt die EU jetzt für Autos vor?
2012 müssen Neuwagen im Flottendurchschnitt einen Wert von 130 g/km erzielen. Über Verbesserungen von Reifen, Klimaanlagen und den vermehrten Einsatz von Bio-Kraftstoffen soll es zu einer weiteren Reduktion um 10 g/km kommen. Die 130 g/km entsprechen einem Durchschnittsverbrauch von 5,4 l Benzin bzw. 4,9 l Diesel/100 km.

12. Was läuft mit dem Klimarappen des Bundes?
Der Klimarappen ist in einen Klimarappen I und einen Klimarappen II unterteilt. Der Klimarappen I trat am 1. Oktober 2005 in Kraft. Er regelt eine Abgabe von 1.5 Rappen auf jeden Liter Benzin oder Diesel. Mit dieser Abgabe wollen der Bund und die Stiftung Klimarappen den CO2-Ausstoss senken. Dabei steht jedoch nicht eine direkte Verringerung des CO2-Ausstosses bei den Verbrauchern im Vordergrund, vielmehr wird die jährliche Summe von 100 Mio. für Projekte eingesetzt, welche die Emission von CO2 reduzieren.
Der Klimarappen II ist eine freiwillige Massnahme im Sinne des CO2-Gesetzes. Alle Einnahmen aus dem Klimarappen II werden zu 100% in energetische Sanierungen im inländischen Gebäudebereich und zur Förderung von Grossanlagen eingesetzt. Der Klimarappen II beträgt jedoch lediglich 1.6 bis 1.7 Rappen pro Liter Heizöl Verbrauch.

13. Was sagt der TCS dazu?
Der TCS unterstützt die Einführung eines Zielwertes von 130 g CO2 pro Kilometer für alle neu zugelassenen Fahrzeuge frühestens ab 2015. Er zeigt sich jedoch zurückhaltend bei der Einführung einer Strafe für Autoimporteure, wie sie heute vom Bundesart empfohlen wird.

14. Werden Autos teurer werden?
Was die Anschaffung betrifft, sagen die Hersteller „ja“ und sprechen je nach Modell von bis zu 4'500 Franken, im Schnitt von rund 2'300 Franken – das Erreichen der neuen Vorgaben verlange riesige Investitionen. Dadurch benötige man wiederum weniger Treibstoff. Gleichzeitig will der Bund umweltschonende Treibstoffe steuerlich begünstigen.
Optimisten sagen: Unterm Strich kommt es zu keiner Mehrbelastung.

15. Haben wir Autofahrer nicht schon viel für die Umwelt & Klima getan?
Ja. Wir sind auf blei- und schwefelfreie Treibstoffe umgestiegen, denen wir jetzt Produkte nachwachsender Rohstoffe beimengen. Wir sind auf Katalysatortechnik umgestiegen und gerade dabei, den Anteil von Autos mit Partikelfilter zu erhöhen. Und wir bezahlen mit der Mineralölsteuer ohnehin schon eine CO2-abhängige Abgabe.

16. Wie viel CO2 stossen populäre Autos aus?
Die ab 2012 gültige CO2-Grenze von 130 g/km halten heute neben den bisherigen Kleinwagen immer mehr neue Automodelle ein. Die Autokäufer sind vernünftig, und schauen vor dem Kauf immer mehr auf die Energie-Effizienz des Autos. Viele bekannte Autohersteller sind inzwischen mit Autos mit weniger als 120g CO2/km auf dem Markt.

17. Was tut die Industrie, um den CO2-Ausstoss der Autos zu reduzieren?
Die Motoren sind heute verbrauchseffizienter als je zuvor. Doch die Autos werden durch Komfortausstattungen (Klima-anlage, Fensterheber, Servolenkung etc.) und grössere passive Sicherheit (Knautschzonen, Airbags, ABS etc.) immer schwerer. Die Folge: Stärkere Motoren machen eine Verbrauchs-Senkung im grossen Stil zunichte.
Doch die Autohersteller werden ihre Hausaufgaben machen (müssen). Vieles dessen, was die nahe Zukunft bringen wird, ist schon auf Schiene. Etwa aufgeladene Motoren mit kleinerem Hubraum (z.B. VWs TSI, ein 1,4-l-Benziner mit 140 oder 170 PS) – dieses Konzept könnte auch eine oder zwei Motoren-Klassen tiefer funktionieren. Schon die nächste Motoren-Generation wird noch verbrauchsärmer sein.

18. Kommen bald mehr Hybrid-Modelle?
Ja. Neben Toyota/Lexus und Honda werden noch viele andere auf den Markt kommen. Mercedes hat Hybridantrieb ab 2008 in der S-Klasse eingeführt und will es später auch für Geländewagen anbieten, Peugeot ab 2010 Diesel-Hybride verkaufen. VW-Konzernboss Martin Winterkorn möchte mit Hybrid-Touareg und -Q7 noch früher auf dem Markt sein. Und GM wird ein dem Opel Vectra ähnliches Auto bereits im Sommer in den USA anbieten.
Würden Hybridautos maximal 15% mehr kosten als vergleichbare Diesel, würden sie sich rasch durchsetzen.

19. Welche Technologien können wir noch erwarten?
Erdgasantrieb ist im Kommen und bringt Vorteile, löst aber das CO2-Problem nicht wirklich. Einige Hersteller arbeiten an Bio-Ethanol-Antrieben (z. B. Saab) bzw. Flex-Fuel-Technik (Volvo) und setzen dabei (zum Teil) auf nachwachsende, CO2-neutrale Energieträger: Sprit quasi aus der Landwirtschaft.
Bei DaimlerChrysler schätzt man, dass ab 2012 die ersten Fahrzeuge mit Brennstoffzelle kommen könnten. Ford, GM, Toyota und VW forschen ebenfalls daran.
BMW will den 7er noch heuer mit Wasserstofftechnik bringen. Allerdings werden ihn nur ausgewählte Kunden leasen (nicht kaufen) können.

20. Was ist jetzt besser für die Umwelt, der Diesel- oder Benzinmotor?
Das kann man nicht verallgemeinern: Die CO2-Emissionen beim Diesel sind geringer, dafür produziert er Feinstaub, der hoffentlich immer öfter im Partikelfilter landet. Der Benziner arbeitet Feinstaub-frei, ist aber weniger effizient, verbraucht daher mehr und produziert so mehr CO2. Überall Reduktionspotenziale zu finden und sie auch zu nutzen – das ist die Herausforderung für Ingenieure.

21. Was bringen Tempolimits?
Langsam fahren verursacht weniger Verbrauch und damit weniger CO2. In der Praxis wird sich das kaum auswirken: Der Bundesrat spricht von einem Reduktionspotenzial von bloss 5 bis 7% CO2, würde man auf den Schweizer Autobahnen Tempo 80 statt der 120 einführen [Interpellation von Nationalrat Studer vom Mai 2006].

22. Was kann man persönlich dafür tun, beim Autofahren möglichst wenig CO2 zu produzieren?
Sehr viel. Schon beim Autokauf dem Verbrauch einen höheren Stellenwert beizumessen, ist bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Das bringt, abhängig von der Jahres-Fahrleistung, auch einen finanziellen Vorteil mit sich. Über die genauen Verbrauchs- und CO2-Werte informiert die aktuelle Auto-Info im Internet auf www.auto-i-dat.ch.
Wie man beim Fahren Sprit sparen kann, lernt man auch in speziellen Kursen in den Fahrsicherheitszentren des TCS.