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Shared Space

Was ist Shared Space?

So heisst ein neuer Ansatz zur Raumplanung und -einrichtung, der in ganz Europa immer mehr Beachtung findet. Shared Space beinhaltet neue Ausgangspunkte für den Gebrauch, den Entwurf und die Unterhaltung unserer Strassen und öffentlichen Räume und hebt die herkömmliche Trennung der verschiedenen räumlichen Funktionen auf.

Das entscheidende Merkmal ist, dass Verkehrsschilder, Fussgängerinseln, Ampeln und andere Barrieren nicht mehr nötig sind. In Shared Space fügen sich Autofahrer rücksichtsvoll ins menschliche Miteinander von Fussgängern, Radfahrern und spielenden Kindern ein und werden Teil des gesamten gesellschaftlichen und kulturellen Kontextes.

Shared Space ist jedoch mehr als ein paar einfache Entwurfsprinzipien. Es bedeutet nämlich auch neue Planungs- , Entwurf- und Entscheidungsprozesse, als deren Resultat neue Strukturen für die Teilnahme aller beteiligten Parteien, also auch der Bürger entstehen.

Shared Space bietet die Möglichkeit, unsere Strassen sicherer zu machen, gesellschaftliche Trennungen aufzuheben, die Attraktivität unserer Städte und Dörfer zu erhöhen und damit nicht zuletzt unserer Wirtschaft einen Impuls zu geben.

Ziel von Shared Space

Das Ziel von Shared Space besteht darin, eine Lösung für eine der vordringlichsten Herausforderungen in unserer heutigen Raumplanung zu finden: den Erhalt und die Verbesserung der räumlichen und sozialen Qualitäten unserer bebauten und unbebauten Umgebung.

Das Projekt richtet sich dabei nicht auf die Verdrängung des motorisierten Verkehrs, der mit all seinen Vor- und Nachteilen immer ein maßgeblicher Faktor in der Nutzung des öffentlichen Raumes bleiben wird. Anstatt jedoch wie bisher die Einrichtung unserer Städte, Dörfer und Landschaften aus der Perspektive der Verkehrsplanung zu steuern, wollten wir im Rahmen des Projektes nach Möglichkeiten suchen, den Menschen und die räumlichen Qualitäten als steuernde Parameter einzusetzen

Sinn und Unsinn von Shared Space

Shared Space wird in verschiedenen europäischen Ländern und zunehmend auch in der Schweiz breit diskutiert. Das Konzept setzt auf gegenseitige Verständigung der Verkehrsteilnehmenden bei möglichst weitgehendem Verzicht auf Verkehrsregeln, Lichtsignalanlagen und Beschilderung. Das Shared Space-Konzept entspricht, von der Philosophie her, weitgehend der schweizerischen Regelung der Begegnungszone.

Im Unterschied zur Begegnungszone, welche als Regime rechtlich klar definiert ist (Tempo 20 und Vortritt für Fussgänger) wird aber bei Shared Space auf eine rechtliche Abstützung verzichtet. Es gilt nach wie vor Tempo 50 und Vortritt für den Fahrverkehr. Die Gestaltung soll jedoch ohne zusätzliche Vorschriften zu einem tiefen Geschwindigkeitsniveau und zu vermehrter Rücksichtsnahme gegenüber den schwächeren Verkehrsteilnehmenden führen.

Lesen Sie mehr dazu im Artikel "Sinn und Unsinn von Shared Space - Zur Versachlichung einer populären Gestaltungsphilosophie [841 KB] ", erschienen in Strassenverkehrstechnik 02 und 03, 2008.

Erfahrungen in Köniz

Hauptverkehrsachsen in Ortszentren haben vielfältige Funktionen zu erfüllen: Neben der Bewältigung grosser Verkehrsmengen sollen Hauptstrassen auch einen attraktiven Strassenraum bieten, wo Ware angeboten, eingekauft, flaniert und Kaffee getrunken wird. Diese unterschiedlichen Anforderungen lassen sich nur erfüllen, wenn der Strassenraum vermehrt gemeinsam genutzt werden kann. An der Fachtagung «Neue Verkehrskultur in Ortszentren [4'345 KB] » am 27. Mai 2008 in Köniz wurden das so genannte Berner Modell und Erfahrungen aus den Niederlanden diskutiert.